Ich weiß nicht, ob es an mir liegt oder ob bestimmte, in den Kreisen des Existenzialismus und der Existenzphilosophie verbreitete Begriffskombinationen auf den Menschen per se faszinierend wirken. Aber kaum lese ich ein paar Zeilen über die Ideen eines Vertreters letzterer Richtung (Karl Jaspers), und stoße darin auf ein Zitat einer Schülerin des genannten Vertreters (Hannah Arendt), komme ich vor lauter Hin- und Hergerissenheit über Prämissen und Folgen der Aussage kaum weiter im Text.
Zu dieser [unserer] erklärten Welt befindet sich der Einzelne im dauernden Widerspruch, weil seine Existenz, nämlich die reine Faktizität seines Existierens in seiner ganzen Zufälligkeit (dass ich gerade ich bin und niemand anders, dass ich bin und nicht nicht bin), weder von Vernunft vorhergesehen, noch von ihr in etwas rein Denkbares aufgelöst werden kann. Hannah Arendt
In den auf das Zitat folgenden Zeilen wird dann glücklicherweise die tiefe Ernüchterung, zu der es den Leser führen könnte, gleich wieder ins Positive umgekehrt: “Diese Existenz ist aber gerade das einzige, dessen ich gewiss werden kann. Also ist es Aufgabe des Menschen, subjektiv zu werden. Dies geschieht in der Erfahrung von Grenzsituationen, wie z.B. in der Angst oder im Gedanken an den Tod. Denn da löst sich der Mensch aus der alltäglichen Welt heraus.” (Matthias Vogt: Philosophie, DuMont monte Verlag, Köln 2003, S. 230f)
Doch noch eine Weisheit aus der Gonzo-Kiste.
Some people will say that words like scum and rotten are wrong for Objective Journalism–which is true, but they miss the point. It was the built-in blind spots of the Objective rules and dogma that allowed Nixon to slither into the White House in the first place. [...] You had to get Subjective to see Nixon clearly. Hunter S. Thompson
… it had been a lame fuck around, a waste of time. Gonzo: The Life and Work of Dr. Hunter S. Thompson. Eine Dokumentation über das Leben und Schaffen von Hunter S. Thompson. Deutscher Titel: Ikone des Anarcho-Journalismus. Dank des manchmal doch etwas unverständlichen Slangs auf Seiten der Interviewees habe ich zwar nicht alles Gesprochene verstehen können, aber zumindest eine Aussage ist hängen geblieben, die mir, wenn auch in keiner Weise mit Thompsons Person zusammenhängend und darum in einem Blogeintrag über eine Dokumentation eben dessen Lebens und Schaffens eher unangebracht scheinend, ein Zitat an dieser Stelle wert ist. Es spricht George McGovern über den ein oder anderen Regierungsangestellten in Washington:
I’m sick and tired of those old men dreaming up wars for young men to die in.
Davon abgesehen gibt es im genannten Film natürlich vor allem Einsichten in das Leben einer komplexen Persönlichkeit unserer Zeitgeschichte, von denen man sich aufgrund ihrer teils auch visuellen Intensität (denn niemand anderes als der mir bisher völlig unbekannte Oscar-Preisträger Alex Gibney zeichnet für den Film verantwortlich) und meines mir in diesem Moment nicht gerade wohlgesinnten Kurzzeitgedächtnisses am besten selbst ein Bild macht.