1. Januar 2008

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Lounge

Gerade sitze ich im ICE von Berlin nach Köln; die Heimreise vom 24C3 ist angesagt. Nach dem letztjährigen, positiverweise sehr diskordianisch geprägten 23C3 unter dem Motto Who can you trust? wurde dieses Jahr dem Steampunk gefrönt und es hieß: Volldampf voraus! Ich hatte zwar die vier Tage lang eher das Verlangen nach ein bisschen Cyberspace (hey, immerhin funktionierte bei mir an zwei Tagen jederzeit das W-LAN!), aber das Flair des viktorianischen Zeitalters hatte auch etwas, irgendwie. Zumindest war die Lounge kuschelig.

Lounge 2

Sehr gut war meiner Meinung nach die weitere Entzerrung des Fahrplans: Nachdem im letzten Jahr schon Der Vierte Tag eingeführt wurde, haben die Organisatoren dieses Jahr zusätzlich zum Extratag den Saal 4 und damit eine ganze Vortragsschiene abgeschafft. So wurden also immer nur drei Vorträge parallel gehalten und die Wahrscheinlichkeit, etwas Interessantes zu verpassen, lief bei Personen mit meinem Interessensvektor gegen 0. Das heißt allerdings nicht, dass der Fahrplan nur eine geringe Themenvielfalt aufzuweisen hatte, im Gegenteil: Von Überwachungserfahrungen aus erster Hand in What is terrorism?, über die mathematische Simulation vom Verhalten dunkler Materie in Simulating the Universe on Supercomputers, Live-Hardware-High-Speed-Paketfilterung in 10GE monitoring live, Culture Jamming mit fancigen Technik-Gadgets in Design Noir und erschreckenden Erkenntissen über biologisches Hacking in Programming DNA war allein der erste Tag schon voller Highlights.

Auch dass der Beginn der ersten Vorträge am Tag weiterhin dem Publikum gerecht auf humane 11:30 Uhr festgelegt wurde, kam mir sehr gelegen. Dann hatte ich nicht ein ganz so schlechtes Gewissen, wenn ich zu dieser Zeit gerade meinen Kaffee am Frühstückstisch leerte. Na gut, einmal war ich auch schon zur ersten Vortragsreihe im bcc und kam in den Genuss einer nicht vorhandenen Getränkeschlange, leerer Stände und Kaffeegeruch in den Sälen. Hmmmmm. Das hat was. Dafür lief das offizielle Programm dann auch teils bis 1 Uhr. Veranstaltungen wie das immer wieder grandiose Hacker Jeopardy müssen einfach zu später Stunde in “gelöster” Atmosphäre stattfinden.

bcc

Der FoeBuD war mal wieder mit einem Info- und Verkaufsschalter dabei, ebenso wie der Tresen mit psychedelischen und kritischen alternativen Büchern; eine Videoinstallation mit Animationen zu gemütlicher Musik zog die Blicke auf sich, Blinkenlights blinkten, die Menschen von monochrom sorgten für Unterhaltung, Debian und GIMP waren an prominenter Stelle vertreten — und mit den ganzen anderen Projekten im Hackcenter und auf den Fluren verteilt will ich gar nicht erst anfangen. Kurzum: Die Bedingungen waren perfekt für ein paar Tage voller Input. Information meets Art & Beauty.

Ende.

Doch nicht. Ich habe ganz vergessen, die Demo gegen den Überwachungswahn zu erwähnen, die eine Riesentour vom Vorplatz des bcc zum Alexanderplatz und wieder zurück drehte. Da haben die “Wir wollen zum Bundestag”-Rufe der Teilnehmer auch nicht mehr viel ändern können. Trotzdem war das Ganze eine nette Aktion, die vielleicht den ein oder anderen Passanten dazu gebracht hat, sich zu fragen, was da abgeht.

Was ich jetzt noch vergessen oder hier einfach nicht erwähnt hab, wird wohl für immer in Vergessenheit oder Hiernichterwähntheit bleiben. Vielleicht schreib’ ich aber auch nochmal was.

6. Dezember 2007

Viele bunte Smarties

Vor einiger Zeit kamen ein Freund und ich auf die Idee, es wäre doch äußerst cool und zugleich unverschämt individuell, ein Display zusammenzulöten, das aus einer Matrix von LEDs zusammengesetzt ist und von einem Microcontroller gesteuert wird. Ziel sollte es sein, beliebige Zeichen und kleine Bildchen darstellen zu können, an denen man sich dann den ganzen Tag erfreuen kann.

Die Entscheidung für einen Atmel Atmega16 als zentrale Steuereinheit fiel recht schnell, da er günstig zu haben ist und ich mit dem Fnordlicht schon ein bisschen Erfahrung in dessen AVR Assemblersprache gesammelt habe. Um Pins und Lötarbeit zu sparen, haben wir überlegt, das Time-Multiplexing-Verfahren zur Ansteuerung der LEDs zu benutzen, so dass in einer Zeiteinheit immer nur eine Spalte aktiv ist. Durch schnellen Wechsel der aktiven Spalte soll dann im Auge der Eindruck entstehen, zu jeder Zeit seien alle Reihen aktiv. Für die Ansteuerung über den PC ist ein RS232-Anschluss vorgesehen. Ein prototypischer Schaltplan, auf dem man das alles (nicht) erkennen kann, ist hier zu finden. Der Schaltplan ist sogar so prototypisch, dass wir nicht einmal sicher sind, ob das alles überhaupt so funktioniert.

Wenn alles glatt läuft, bestellen wir bald [tm] die Bauteile und vielleicht gibt’s hier dann sogar noch ein bisschen mehr zu sehen!

2. Dezember 2007

Random Access Music

Gerade eben bin ich über eine sehr interessante Musik-Installation aus dern 60ern gestolpert: Nam June Paiks Random Access Music. Paik hatte Tonbänder kreuz und quer auf einer Wand verteilt und ermöglichte es so dem Besucher, interaktiv mit einem modifizierten Tonabnehmer über die an der Wand montierten Bänder zu fahren und so eigene Interpretationen des Rohmaterials zu schaffen.

Wie kann man aber digitale “Random Access Music” spielen? Dem geneigten Leser ist vielleicht aufgefallen, dass das Begriffspaar “Random Access” auch im Computerbereich eine große Rolle spielt: Der Arbeitsspeicher, Random Access Memory, ist eine der zentralen Komponenten jedes Rechners — wieso sollte man ihn nicht nutzen, um Musik zu machen? Gesagt, getan:

# cat /dev/mem > /dev/dsp

Ok, das Resultat ist immerhin interessanter als das oft zu Testzwecken genutzte

$ cat /dev/urandom > /dev/dsp

denn statt Rauschen bekommt man, neben einiger Stille, tatsächlich den ein oder anderen Ton zu hören. Aber es geht noch besser: Die moderne Technik erlaubt es uns, Information zweckentfremdet in einer anderen Form (sogar über einen anderen Sinnesreiz) wahrzunehmen. Ein Bild macht man zum Musikstück, aus einem Videoclip zieht man einen Text heraus, aus einem Text generiert man ein Bild. Man nehme sich zum Beispiel den 54 Byte langen Header einer Windows-Bitmap-Datei (ichhabedaschonmalwasvorbereitet, Bildgröße 200×200 Pixel, 24 Bit Farbtiefe), und hänge an diesen einen ausreichend langen Text (zum Beispiel RFC 2616) und schaue sich das Ergebnis (Bitmap hier) an:

RFC Image

Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt! Aus Random Access Music wird Random Access Information. Aber Vorsicht: Bei aufgedrehten Lautsprechern kann der Nachbar eventuell sensible Daten, wie zum Beispiel das noch im Arbeitsspeicher liegende Root-Passwort, erhorchen.

Viel Spaß beim Experimentieren!

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