Es ist eine von Menschen verlassene Welt. Die Natur erobert Fabriken, Tunnel, Gebäude zurück. Panzer verschwinden langsam im hüfthohen Gras. Geldmünzen, eine Schraubenfeder, ein Maschinengewehr sind hier Vergangenheit — Relikte von Zivilisation —, sie liegen am Grund eines Wasserbeckens, inmitten von Algen. Später sieht man einen Fisch. Auf der Wasseroberfläche über ihm verbreitet sich ein Ölfilm. Es sind Bilder wie diese, die sich ins Gedächtnis brennen. Andrei Tarkowski präsentiert sie uns in minutenlangen, beinahe meditativen Aufnahmen, hinterlegt mit einem düsteren Soundtrack.
Befinden wir uns tatsächlich in der “Zone”, wie dieser Teil des Landes von den drei Protagonisten, dem “Professor”, dem “Schriftsteller” und dem “Stalker” genannt wird? Ist dies überhaupt eine Reise durch den Raum? Wir erfahren Zynismus, Nihilismus, Abwesenheit von Hoffnung. Es ist gefährlich hier, alles in ständiger Veränderung, es gibt Fallen. Und es soll hier einen Ort geben, an dem der innerste Wunsch desjenigen wahr wird, der ihn betritt. Keiner der dreien wird den Ort betreten. Niemand fühlt sich bereit. Dennoch kehren sie als veränderte Menschen heim.
Stalker. Ein Film von Andrei Tarkowski, UdSSR 1979.
Paul Wegeners Der Golem, wie er in die Welt kam, 1920.
Der Golem, jüdische Sagengestalt, erschaffen um einem Zweck zu dienen, zum Leben erweckt durch das Wort “Wahrheit”, von den Menschen gefürchtet, unverstanden, gedemütigt. Eine Blume heitert ihn auf, ein Kind bringt ihm Frieden. Alle gesellschaftlichen Widrigkeiten, von antisemitischer kaiserlicher Willkür bis zu unstandesgemäßen Liebeleien à la Fontane, sollen von ihm aus der Welt geschaffen werden. Dabei ist seine eigene Geschichte, seine Rolle als Mittel in dieser fremden Welt der Weltmenschen und ihrer Zwecke, doch nicht weniger tragisch. Aber wer interessiert sich für einen dummen, hilflosen Lehmklumpen?
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Ich weiß nicht, ob es an mir liegt oder ob bestimmte, in den Kreisen des Existenzialismus und der Existenzphilosophie verbreitete Begriffskombinationen auf den Menschen per se faszinierend wirken. Aber kaum lese ich ein paar Zeilen über die Ideen eines Vertreters letzterer Richtung (Karl Jaspers), und stoße darin auf ein Zitat einer Schülerin des genannten Vertreters (Hannah Arendt), komme ich vor lauter Hin- und Hergerissenheit über Prämissen und Folgen der Aussage kaum weiter im Text.
Zu dieser [unserer] erklärten Welt befindet sich der Einzelne im dauernden Widerspruch, weil seine Existenz, nämlich die reine Faktizität seines Existierens in seiner ganzen Zufälligkeit (dass ich gerade ich bin und niemand anders, dass ich bin und nicht nicht bin), weder von Vernunft vorhergesehen, noch von ihr in etwas rein Denkbares aufgelöst werden kann. Hannah Arendt
In den auf das Zitat folgenden Zeilen wird dann glücklicherweise die tiefe Ernüchterung, zu der es den Leser führen könnte, gleich wieder ins Positive umgekehrt: “Diese Existenz ist aber gerade das einzige, dessen ich gewiss werden kann. Also ist es Aufgabe des Menschen, subjektiv zu werden. Dies geschieht in der Erfahrung von Grenzsituationen, wie z.B. in der Angst oder im Gedanken an den Tod. Denn da löst sich der Mensch aus der alltäglichen Welt heraus.” (Matthias Vogt: Philosophie, DuMont monte Verlag, Köln 2003, S. 230f)
And everything was made for you and me
All of it was made for you and me
’cause it just belongs to you and me
So let’s take a ride and see what’s mine!
The Passenger von Iggy Pop