19. Januar 2008

Realitätscheck

Felix hat mich auf einen sehr interessanten Heise-Artikel aufmerksam gemacht: 60.000 Dollar Strafe für DNS-Abruf. Besonders bemerkenswert:

Das Gericht stellte fest, dass Ritz dabei seine “Identität hinter Proxies verbarg, ein UNIX-Betriebssystem verwendete und neben anderen Methoden Shell Accounts einsetzte. Außerdem gab er sich als Mail-Server aus.” Die auf diese Weise gewonnenen Informationen machte Ritz publik. Diese Information, stellte das Gericht fest, sei nicht öffentlich verfügbar gewesen. Damit habe Ritz die Datensicherheit von Sierra gefährdet, Ritz sei also als Hacker einzustufen, schließlich sei der Befehl “host -l” dem normalen Anwender nicht bekannt.

Haha.

1. Januar 2008

4013 users

Lounge

Gerade sitze ich im ICE von Berlin nach Köln; die Heimreise vom 24C3 ist angesagt. Nach dem letztjährigen, positiverweise sehr diskordianisch geprägten 23C3 unter dem Motto Who can you trust? wurde dieses Jahr dem Steampunk gefrönt und es hieß: Volldampf voraus! Ich hatte zwar die vier Tage lang eher das Verlangen nach ein bisschen Cyberspace (hey, immerhin funktionierte bei mir an zwei Tagen jederzeit das W-LAN!), aber das Flair des viktorianischen Zeitalters hatte auch etwas, irgendwie. Zumindest war die Lounge kuschelig.

Lounge 2

Sehr gut war meiner Meinung nach die weitere Entzerrung des Fahrplans: Nachdem im letzten Jahr schon Der Vierte Tag eingeführt wurde, haben die Organisatoren dieses Jahr zusätzlich zum Extratag den Saal 4 und damit eine ganze Vortragsschiene abgeschafft. So wurden also immer nur drei Vorträge parallel gehalten und die Wahrscheinlichkeit, etwas Interessantes zu verpassen, lief bei Personen mit meinem Interessensvektor gegen 0. Das heißt allerdings nicht, dass der Fahrplan nur eine geringe Themenvielfalt aufzuweisen hatte, im Gegenteil: Von Überwachungserfahrungen aus erster Hand in What is terrorism?, über die mathematische Simulation vom Verhalten dunkler Materie in Simulating the Universe on Supercomputers, Live-Hardware-High-Speed-Paketfilterung in 10GE monitoring live, Culture Jamming mit fancigen Technik-Gadgets in Design Noir und erschreckenden Erkenntissen über biologisches Hacking in Programming DNA war allein der erste Tag schon voller Highlights.

Auch dass der Beginn der ersten Vorträge am Tag weiterhin dem Publikum gerecht auf humane 11:30 Uhr festgelegt wurde, kam mir sehr gelegen. Dann hatte ich nicht ein ganz so schlechtes Gewissen, wenn ich zu dieser Zeit gerade meinen Kaffee am Frühstückstisch leerte. Na gut, einmal war ich auch schon zur ersten Vortragsreihe im bcc und kam in den Genuss einer nicht vorhandenen Getränkeschlange, leerer Stände und Kaffeegeruch in den Sälen. Hmmmmm. Das hat was. Dafür lief das offizielle Programm dann auch teils bis 1 Uhr. Veranstaltungen wie das immer wieder grandiose Hacker Jeopardy müssen einfach zu später Stunde in “gelöster” Atmosphäre stattfinden.

bcc

Der FoeBuD war mal wieder mit einem Info- und Verkaufsschalter dabei, ebenso wie der Tresen mit psychedelischen und kritischen alternativen Büchern; eine Videoinstallation mit Animationen zu gemütlicher Musik zog die Blicke auf sich, Blinkenlights blinkten, die Menschen von monochrom sorgten für Unterhaltung, Debian und GIMP waren an prominenter Stelle vertreten — und mit den ganzen anderen Projekten im Hackcenter und auf den Fluren verteilt will ich gar nicht erst anfangen. Kurzum: Die Bedingungen waren perfekt für ein paar Tage voller Input. Information meets Art & Beauty.

Ende.

Doch nicht. Ich habe ganz vergessen, die Demo gegen den Überwachungswahn zu erwähnen, die eine Riesentour vom Vorplatz des bcc zum Alexanderplatz und wieder zurück drehte. Da haben die “Wir wollen zum Bundestag”-Rufe der Teilnehmer auch nicht mehr viel ändern können. Trotzdem war das Ganze eine nette Aktion, die vielleicht den ein oder anderen Passanten dazu gebracht hat, sich zu fragen, was da abgeht.

Was ich jetzt noch vergessen oder hier einfach nicht erwähnt hab, wird wohl für immer in Vergessenheit oder Hiernichterwähntheit bleiben. Vielleicht schreib’ ich aber auch nochmal was.

20. Dezember 2007

Klaustro{phobie,philie}?!

Wie man auf der Webseite des Bundesministeriums der Justiz lesen kann, soll Klaus Tolksdorf mit Wirkung ab dem 1. Februar 2008 der neue Präsident des Bundesgerichtshofs werden. Tolksdorf ist als vorsitzender Richter des 3. Strafsenats des BVG vor allem durch seine Ablehnung der Online-Durchsuchung im Februar 2007 bekannt geworden. Schlagzeilen machte er auch mit der Einstufung der “militanten gruppe” (mg) als eine kriminelle und nicht terroristische Vereinigung. Im Kölner Stadtanzeiger (Nr. 295, 20.12.2007, S. 9) wird er mit der Aussage, die Auseinandersetzung mit dem Terrorismus dürfe kein wilder, ungeregelter Krieg sein, zitiert. Ich bin gespannt, in welchen Zusammenhängen er nach der Ernennung zum BGH-Präsidenten in die Presse kommen wird.

Eine nette Idee.

8. Dezember 2007

Licht aus

Heute Abend von 20:00 bis 20:05 schaltet Deutschland das Licht aus:

Die Klimaschutz-Kooperation „Rettet unsere Erde“ von BILD, BUND, Greenpeace und WWF ruft gemeinsam mit Google und ProSieben am Samstag, den 8. Dezember 2007 zu einer deutschlandweiten Aktion auf: „Licht aus! Für unser Klima.“. Von 20 Uhr bis 20.05 Uhr sollen für fünf Minuten im ganzen Land die Lichter ausgeschaltet werden. Eine eindringliche Mahnung, die national und international zu mehr Klimaschutz aufruft.

Neben den oben genannten Organisationen und Unternehmen machen noch einige andere Größen mit; eine Liste der Teilnehmer kann man sich auf der oben verlinkten Seite angucken. Leider bin ich selbst zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause und kann daher auch nicht aktiv im Dunkeln sitzen. Aber mein Licht wird ausgeschaltet sein.

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